RUN FOR HELP

Marathon in Athen10.11.2013 ein Rückblick

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Die Fakten—–12.000 Teilnehmer (Rekordbeteiligung)

jeder 12 Läufer gibt auf,

Hunderte erreichen das Ziel nicht im Zeitlimit von 8 Stunden

Hitzerekord 31 Grad

2 Stunden 13 Minuten 50 Sekunden brauchte der Gewinner aus Kenia Yego Hillary Kipgogei

meine Zeit 5 Stunden 29 Minuten 28 Sekunden, meine 5 Stunden anvisierte Endzeit nicht erreicht

Mit 12.000Teilnehmer ist in diesem Jahr ein neuer Rekord aufgestellt worden. Selbst der im vorigen Jahr, der zum dreissigsten Male stattgefundende Jubiläumsmarathon hatte nicht diese Teilnehmeranzahl erreicht. Aber im diesen Jahr ist sowieso alles ganz anders.

Die über dreissig Grad Temperatur macht allen Läufern sehr zu schaffen und so gibt eine Anzahl von 1000 Läufern vorzeitig auf.

Ich stehe unter einem großen Druck! Denn angesichts der Tatsache,daß soviele Menschen in Deutschland aber auch in Griechenland von meiner Teilnahme wissen und ich insgesamt 700 Euro im Gepäck habe für die Sozialstation in Athen, muß ich diesen Lauf zu Ende führen um jeden Preis.

Es beginnt sehr früh am 10.11.2013, hunderte von Bussen transportieren die Läufer vom Syntagmaplatz in Athen zum Startpunkt in Marathon.6.00 Uhr ich steige in einem dieser Busse, aufgeregt bis in die Haarspitzen!

Die eine Stunde dauernde Busfahrt vergeht wie im Flug und schon stehe ich in einem Gewühl von Läufern aus der ganzen Welt. Mexicaner, Chinesen, Amerikaner, Italiener….um nur einige zu nennen.

Alles ist sehr gut organisiert und der Start erfolgt in vorher festgelegten Blöcken,von Block 1 angefangen wo die top Athleten aus Kenia um Punkt 9.00 Uhr starten.

In einem Abstand von 3 Minuten, werden die folgenden Blocks gestartet. Ich habe mich wohlweislich im letzten Block angemeldet, dieser startet dann um 9.30 Uhr.

Ich fühlte mich gut vorbereitet! Habe meine Zwischenzeiten auf einen Zettel geschrieben, mit der Vorgabe in 5Stunden ins Ziel zu kommen.

Die ersten 10 km sind angenehm! Ich laufe in einem gleichmäßigen Tempo,merke aber schon die Sonnenstrahlen auf meinen Beinen.

Ein erster Vorbote was noch auf mich zukommen wird. Die von mir anvisierte 10 km Zwischenzeit erreiche ich fast auf die Sekunde genau.

So kann es weiter gehen, denke ich….Kilometer zwanzig: Beim Wassertrinken verliere ich meinen Zettel, stattdessen hatte ich einen Olivenzweig in meiner rechten Hand und in der linken Hand unnötiger Weise mein Handy.

Die Menschen am Strassenrand feuern uns an und trotzdem, die ersten Läufer bekommen Wadenkrämpfe, viele geben jetzt schon auf.

Mein Gesicht brennt, Sonnencreme? Wer denkt im November an Sonnencreme. Selbst die Einheimischen sind überrascht über die jetzt herrschende Hitze. Ein Thermometer signalisiert 31 Grad!

Die Hälfte der Strecke ist noch nicht geschafft und Zweifel kriechen in mir hoch. Ich spürte schon meine Füße, die aufgeheizt durch den Asphalt zu kochen beginnen.

An jeder Verpflegungsstation trinke ich meinen halben Liter Wasser.

Es gibt kein zurück, ich muß weiter.Halbmarathon, 21km und einige hundert Meter geschafft, aber ich habe jeglichen Überblick verloren. Ich hefte mich an einem vor mir Laufenden. So geht es weiter und weiter, ich weiss nur: JETZT BEGINNT DER SCHWIERIGSTE TEIL DER STRECKE

Im Internet habe ich bei meinen Vorbereitungen gelesen, daß es von km 20 zu km 30 ständig bergauf gehen soll. Nicht wenige Läufer vertreten auch die Meinung, daß der Athen-Marathon der schwierigste der Welt sein soll! Alles Übertreibungen dachte ich und jetzt stellte ich fest,warum man dies u.U. behaupten kann. Denn nichts lässt sich im Vorfeld voraussagen, denn Wettermäßig ist im November alles möglich. Wind, Kälte, Regen, Hitze.

Doch dieser Jahr war es die Rekordhitze!

Von Kilometer 20 zu 30 beginnt das große Sterben! Viele gehen die ersten Steigungen hinauf. Andere stehen am Straßenrand und dehnen ihre Muskeln, werden geschüttelt von Krämpfen.

Apathisch liegen sie am Straßenrand und warten auf die Busse, welche sie einsammeln werden. Die Sanitäter sind im vollen Einsatz mit Eispray und sonstigen Wunderwaffen.

An der nächsten „Wasserstelle“ nehme ich mir auch eine Auszeit und gehe 2-3 Minuten weiter. Meine Füße schmerzen und noch ist die dreissiger Marke nicht erreicht.

Quälend langsam geht es die letzte Anhöhe hoch. Ich achte auf jedes ziehen in den Muskeln, bloss keine Krämpfe, weiter, weiter….Kilometer Fünfunddreissig!

Menschen in einem Vorort von Athen spornen mich an. Musikgruppen trommeln und spielen, ich fühle mich wie in einem Tunnel, ja der immer wieder beschriebene Zustand zwischen Himmel und Hölle. Noch ist alles Hölle! Aber ich habe die Verpflichtung nicht aufzugeben.

Es wird immer quälender, mein Tempo ist vollkommen dahin und trotzdem überhole ich Läufer um Läufer. Es ist merkwürdig still geworden, jeder kämpft für sich, gegen die Schmerzen.Endlich, das Ziel scheint nicht mehr weit zu sein, km 40!

Aber auch die letzten km können unendlich weit sein…… der Zieleinlauf…..weiter geht es nicht…….die Uhr zeigt 5 Stunden 29 Minuten…….Ziel verfehlt……egal……angekommen…..nach dem Lauf
nach dem Lauf

Ich bin sprachlos, geschafft! Ich kann mein Glück nicht fassen und erst nach einem Tag wird mir bewußt was ich geleistet habe.

Am nächsten Tag soll die Geldübergabe in der Sozialstation sein. Hoffentlich habeich mich bis dahin erholt.

Die Nacht wird unterbrochen von Krämpfe;egal die Glücksgefühle sind jetzt stärker als all die Schmerzen.

12.00 Uhr wieder am Syntagmaplatz, aber diesemal wird es angenehm und schön werden.

Die Helfer in der Sozialstation haben alles hervorragend organisiert.

Man holt mich mit dem Auto ab und fährt mit mir zum Haus der Sozialstation.

Viele Menschen, u.a. der „Chef“ Dimitri und seine Helfer warten auf mich und eine große Herzlichkeit schlägt mir entgegen.

Immer wieder betreten Menschen diese Station und bitten um Medikamente. Viele chronisch Kranke wären ohne diese Sozialstationen vollkommen auf sich alleine gestellt.

Das Geld welches meine Freunde und Bekannte in Deutschland und Holland gespendet haben soll dazu verwendet werden Medikamente zu kaufen die ansonsten nur schwer als „gebraucht“ zu bekommen sind. Denn die meisten der Medikamente sind gespendet.

Jede Packung von Medikamenten, auch wenn sich nur noch eine Tablette dort als Inhalt befindet wird benötigt.Immer mehr Aktivisten kommen vorbei, ich muß Hände schütteln und fühle mich ein wenig verlegen. Man gibt mir zu verstehen, daß die Menschen diese Geste aus Deutschland sehr wohlwollend aufnehmen.

Gelebte Solidarität!

Reden werden gehalten, wieder viele Hände geschüttelt. Ein Essen ist in einer Taverne vorbereitet. Die Stunden gehen dahin und obwohl ich nur wenig verstehe, spüre ich, daß ich viele neue Freunde gewonnen habe. das Bier in Griechenland schmeckt hervorragend.

mein Ergebnis
mein Ergebnis

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