Athen im Mai 2012

Seit wir den Kanal von Korinth überschritten hatten konnte man feststellen, daß sich nicht nur die Landschaft veränderte sondern auch die Stimmung der Menschen. Förmlich spürbar wird der Einfluss von Athen, von der wir nur noch ca. 50 km entfernt sind. Die Spannungen zwischen Stadt und Land liegen wie ein Schleier über alles.
In Megara kurz vor der Halbinsel Samaramis haben wir dann unsere erste unschöne Begegnung mit einer Wehrsportgruppe die in einem leerstehenden Gebäude ihre Übung abhielten. Gegen Abend kamen wir dort an und überlegten wo wir die Nacht verbringen könnten, als eine Gruppe Kahlgeschorerer diese Gebäude verlies und uns eingehend musterten. Uns war sofort die brisante Lage klar! In diesem Gebiet halten sich sehr viele Migranten auf, die in den Pistazienplantagen arbeiten. Es treffen Nationalisten auf Migranten, eine gefährliche Situation, in der wir nun versuchen mußten die Nacht zu verbringen. Uns blieb nichts anderes übrig mit einbruch der Dunkelheit unsere Zelte in einer dieser Plantagen aufzuschlagen. Das wir in dieser Nacht nicht sehr ruhig geschlafen haben erübrigt sich fast zu erwähnen.
Was konnten wir tun? Ein Blick auf die Karte und unserer erarbeiteten Route führte uns vor Augen, daß wir durch den gesamten Industriegürtel von Athen laufen müßten. In Anbetracht dieser sehr unschönen Aussicht beschlossen wir unsere Route zu ändern und über die Halbinsel von Samaris zu gehen. Dies verkürzte unsere Strecke auch um gut 30 km, da wir einen Teil und zwar nach Piräus, mit dem Boot fahren mußten.


Wir sind  jetzt seit dem 11.5.2012 in Athen! Endlich, meine Füße sehen sehr mitgenommen aus. Nach 330 km kein Wunder, wobei das schwerste Hinderniss die Hitze dargestellt hat. Wenn man bei über 30 Grad über den heißen Asphalt läuft heizt man seine Füße förmlich auf und mit jedem Kilometer  steigen die Temperaturen innerhalb der Schuhe.
Am Monastirakiplatz empfangen uns die Athener Aktivisten. Wir gehen gemeinsam zum Syntagmaplatz wo wir die auch dort anwesenden Spanier, Italiener und Franzosen treffen. Mein Eindruck von Ihnen ist der einer wandernden Hippiekommune, wenig politisch agierend in meinen Augen. Trotzdem haftet dieser Gruppe etwas sympathisches an. Am Abend fahren wir gemeinsam zum ehemaligen Athener Flughafen. Dort findet ein Festival über zwei Tage statt. Unter dem Motto „Legalisez“ wird dort  die Freigabe von Marijuana gefordert. Aber dies ist nicht die einzige Forderung, sondern es geht auch gegen Montsamo, den weltweit agierenden Saatgutkonzern! Außerdem soll durch die occupation des Flughafengeländes die Pläne der Athener Stadtverwaltung verhindert werden. Diese plant dort ein riesiges Einkaufszentrum!


Der 12.5.2012, der weltweit ausgerufene Aktionstag! In Athen kommen wir am Syntagmaplatz zusammen. Es sind nur weinige hunderte Menschen die sich dort versammeln. Die Stimmung ist friedlich! Die anwesende Polizei hält sich zurück. Viele Journalisten, Filmemacher und natürlich Stop Cartell, die Fernsehstation die immer aus Athen berichtet. Der Redakteur will auch mich vor die Kamera locken; ich stimme zu…. Überhaupt muss ich an diesem Abend unzählige von den Journalisten gestellten Fragen beantworten . Wir haben hier eine große Aufmerksamkeit und morgen steht  für mich der Höhepunkt dieses Marsches  an: Der Besuch bei Manolis Glezos


13.5.2012 Sonntagmorgen, im Radio gibt Manolis Glezos ein Interview. Bei diesem außergewöhnlichen Mann bin ich in ca. 3 Stunden. Das Haus in einem Athener Stadtviertel ist nicht extra abgesichert, nichts deutet auf den jetzt fast 90jährigen bekannten Politiker hin. Wir klingeln; Manolis Glezos öffnet die Tür! Er bittet uns hinein. Uns, daß ist die Übersetzerin Hera, eine freie Journalistin und die beiden Personen, die uns den Kontakt ermöglicht haben. Manolis Glezos bittet uns Kaffee zu machen! Sein Wohnzimmer ist vollgestopft mit Büchern, Zeitungen und unzähligen Bildern. Es herrscht eine wohlgeordnete Unordnung! Fast zwei Stunden sind wir dort; bereitwillig beantwortet Manolis Glezos meine Fragen. Ausführlich geht er natürlich auf seine Forderung, nach den Reperationsforderungen die Deutschland endlich an Griechenland zahlen soll, ein. Zu diesem Thema hat er auch ein neues Buch, in Deutsch und Griechisch verfasst, herausgebracht. Ein handsigniertes Buch bekomme ich überreicht! Ich habe den auf der Wanderung bemalten Schirm mitgebracht und mach diesen zum Geschenk. Die online-Petition überreichen wir! Das ganze Gespräch durfte ich auf Video aufnehmen und werde es demnächst veröffentlichen.
Manolis Glezos ist für den Nachmittag zum Präsidenten eingeladen worden um die doch verfahrene Situation der letzten Wahlen zu retten. Manolis Glezos und seine Syrza (die vereinigte Linke) hat über 16 % der Stimmen erreicht und ist die zweitstärkste Fraktion. Die DIMAS, eine gemäßigte linke Partei, könnte gemeinsam mit der Syrza und einer anderen kleineren Partei die Regierungsverantwortung übernehmen. Dies versucht natürlich die NEO-Demokratia (die Konservativen) und die PASOK (Sozialisten) zu verhindern. Die Gespräche verlaufen im Sande. So wird es im Juni 2012 Neuwahlen geben. Es wird damit gerechnet, daß dann die Syrza nochmals zulegen wird.
14.5.2012 Athen in Bewegung
Am Nachmittag nehmen wir an einer Demonstration teil. Ich lerne so auch die Wirklichkeit der griechischen Arbeitswelt kennen. Die unzähligen Gewerkschaften haben sich für diese Demo zusammengeschlossen und so ziehen, Anarchisten, Autonome und die traditionellen Gewerkschaften gemeinsam zu einem Betrieb der z. Zt. dabei ist viele Journalisten und Arbeiter zu entlassen. Insbesondere die kritischen Journalisten werden zuerst entlassen. Die STimmung ist aufgeheizt, jedoch eskaliert diese Stimmung nicht. Wir haben unser Transparent dabei und werden wohlwollend registriert!
Auf der Rückfahrt schließen wir uns einer Gruppierung an die grundsätzlich in der Metro, Straßenbahn usw. nichts bezahlt. Sie verkleben die Entwertungsautomaten und skandieren lauthals ihre Forderungen. Mittlerweile ist aus dieser Initiative eine weitere Partei geworden die sich an den nächsten Parlamentwahlen beteiligen wird.

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Eine Antwort zu Athen im Mai 2012

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